Warum sollte Getreide konserviert werden

Frisch geerntetes Getreide ist in den seltensten Fällen ausreichend lagerfähig. Insbesondere wenn die Kornfeuchten über 14 % liegen muss konserviert werden, das betrifft in der Bundesrepublik etwa 50 bis 85 % des geernteten Getreides. Auch schwankt je nach Witterung und Erntebedingungen der natürliche Besatz an unerwünschten Mikroorganismen stark; sind die Bedingungen im Lager günstig, vermehren sie sich weiter. Dabei entstehen erhebliche Verluste bis hin zum kompletten Verderb.

Allgemein gilt: Je langsamer die Lagerstabilität erreicht wird, desto höher sind die Verluste. Deshalb ist es wichtig, frisch geerntetes Getreide so schnell wie möglich in einen lagerfähigen Zustand zu bringen. Aber auch trocken geerntetes Getreide birgt immer ein gewisses Lagerrisiko. Inzwischen ist es hinreichend bekannt, dass auf diesem Getreide die Anzahl der Schimmelpilze, Hefen und Bakterien während der gesamten Lagerung unverändert hoch bleibt (siehe Abbildung). Das deutet auf eine uneingeschränkte Aktivität dieser Mikroorganismen hin, was gleichzeitig das Lagerrisiko erhöht. Bereits kleinere Veränderungen der Lagerungsbedingungen können zu einer weiteren Vermehrung dieser Keime führen und erhebliche Futterverluste nach sich ziehen. Besonders die von den Schimmelpilzen gebildeten Mykotoxine gefährden die Gesundheit der Tiere.


Basisdaten für eine sichere Getreidelagerung

Auslöser für den Verderb sind in der Regel unerwünschte Mikroorganismen. Insbesondere Schimmelpilze spielen hier eine große Rolle, die bei der Ernte mit in das Lager gelangen. Hohe Temperaturen und Kornfeuchten fördern ihre Vermehrung und damit den Verderb des eingelagerten Getreides. Bei niedrigen Temperaturen und Kornfeuchten ist ein Verderb unwahrscheinlicher.

Während die Vermehrung von Bakterien und Hefen erst bei Restfeuchten von > 23 % beginnt, benötigen Schimmelpilzes weitaus weniger Wasser. Sogar bei Feuchtegehalten von ≤ 14 % ist ihr Wachstum noch möglich (Abb. 1). Sie sind deshalb Hauptverursacher des Verderbs von eingelagertem Getreide. Normalerweise wird frisch geerntetes Getreide mit Temperaturen von > 25 bis 30°C eingelagert. Um bei diesen hohen Temperaturen Schimmelpilzwachstum sicher zu vermeiden, müsste die Restfeuchte im Bereich von 12 bis13 % liegen. Das ist aber in den seltensten Fällen der Fall. Somit ist auch bei Getreide mit den als allgemein für eine Lagerung als sicher geltenden 14 % Kornfeuchte eine Konservierung anzuraten.


Hilfsmittel Lagerzeituhr

Um die Lagerstabilität von frischem Getreide nach der Ernte einfach und schnell beurteilen zu können, kann die Lagerzeituhr für Getreide zu Hilfe genommen werden. Anhand der Getreidefeuchte und der Temperatur wird mit der Lagerzeituhr die maximal mögliche Lagerzeit bis zum Einsetzen des Verderbs eingeschätzt.

Das zeigt, dass Kornfeuchte und Temperatur von entscheidender Bedeutung für die Lagerstabilität sind. Je höher die hier gemessenen Werte sind, desto mehr verkürzt sich die Lagerzeit ohne Verderb. Die Werte für die mögliche Lagerzeit lassen sich dabei einfach in der Uhr ablesen. Die aktuellen Ergebnisse der Feuchtemessung und der Temperatur werden eingetragen und dann miteinander verbunden. Der Schnittpunkt auf der Linie in der Mitte gibt die Empfehlung für die maximale Lagerzeit an. Außerdem kann abgelesen werden, wie sich eine Veränderung dieser Messwerte, beispielsweise durch Kühlung, auf die Lagerzeit auswirkt.

Beispiel: Getreide mit einer Kornfeuchte von 14,5 % und einer Temperatur von 24°C bei der Einlagerung (a) kann etwa für 64 Tage sicher ohne Verderb gelagert werden. Wird die Temperatur jedoch auf 10°C abgesenkt (b) verfünffacht sich die potenzielle Lagerzeit.

Bei den ermittelten Werten handelt es sich um Orientierungswerte. Unabhängig von diesen gilt, dass die Temperatur im Lager regelmäßig zu überprüfen ist. Wir empfehlen dabei wie folgt vorzugehen:

TemperaturKontrolle
> 18 °CTäglich messen
16 – 18 °C3 x pro Woche messen
12 – 16 °C2 x pro Woche messen

(nach Gengenbach, 2018)

Außerdem ist das Getreide regelmäßig hinsichtlich eines möglichen Schädlingsbefalls zu überprüfen.


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