Einfluss von Substratfaktoren

Für den Verderb von Futtermitteln, insbesondere dem von Getreide sind in der Regel Mikroorganismen verantwortlich. Ihr Wachstum wird von einer Reihe von Faktoren beeinflusst. Dazu gehören das Angebot an Nährstoffen, die Temperatur im Lager, die Feuchte (Wassergehalt) des eingelagerten Getreides bzw. Futtermittels, die Gegenwart von Sauerstoff und der pH-Wert. Befinden sich alle diese Faktoren in einem für sie optimalen Bereich, vermehren sie sich und es kommt zum Verderb. Durch die gezielte Veränderung von einem oder mehreren dieser Faktoren ist es aber möglich, mikrobiellen Verderb zu verhindern. Vergleichbar ist dieses Prinzip auch mit einem Hürdenlauf. Sind alle Hürden niedrig, d.h. alle Faktoren sind optimal, vermehren sich die Mikroorganismen ungehindert. Wird jedoch eine oder mehrere der Hürden zu ihrem Ungunsten verändert, also höher gesetzt, fällt es den Mikroorganismen deutlich schwerer, diese zu überwinden, bzw. sie werden komplett ausgebremst. Sind die Möglichkeiten jedoch begrenzt, kann der gezielte Einsatz von Konservierungsmitteln helfen. Sie würden dann als zusätzliche Hürde das mikrobielle Wachstum stoppen.


In trocken eingelagertem Getreide können die für das Wachstum der einzelnen Mikroorganismengruppen verantwortlichen Faktoren wie folgt bewertet werden:

 BakterienHefenSchimmelpilze
Nährstoffe+++
pH-Wert+++
Feuchte--+
Sauerstoff+++
Temperatur+++
Konservierungsmaßnahme  Deshalb Konservierungsmittel gegen Schimmelpilze einsetzen!
(+ günstig / - ungünstig)

Bei der Einlagerung von trockenem Getreide befinden sich alle Wachstumsfaktoren für Schimmelpilze in einem für sie günstigen Bereich. Das bedeutet, dass alle Hürden zu niedrig sind, um diese „auszubremsen“. Nur der gezielte Einsatz von Konservierungsmitteln kann das eingelagerte Getreide sicher vor Verderb schützen.



Nährstoffe

Für die Konservierung ist es wichtig, die einzelnen Nährstoffansprüche der unterschiedlichen Mikroorganismen zu kennen. Je nach Gattung bzw. Art unterscheiden sich diese. Im Wesentlichen werden Kohlenstoff, Wasser, Stickstoff, verschiedenen Mineralstoffe und Vitamine benötigt. Im Allgemeinen wachsen Bakterien bevorzugt auf eiweißreichen und Hefen und Schimmelpilze auf zucker- bzw. stärkereichen Futtermitteln. Im eingelagerten Getreide sind diese reichlich vorhanden.



Temperatur

Jede Mikroorganismenart wächst in einem für sie typischen Temperaturbereich. Allgemein gilt, dass sich die einzelnen Arten mit zunehmender Temperatur schneller vermehren. Jedoch gibt es auch Min- und Max-Grenzen. Unterhalb des Temperaturminimums vermehren sich die Mikroorganismen nicht. Sie sterben aber auch nicht ab. Wird die untere Grenze wieder überschritten, setzt ihre erneute Vermehrung ein. Die Wachstumsgeschwindigkeit steigt dann bis zum Erreichen der optimalen Temperatur an. Übersteigt die Temperatur die optimalen Werte, sinkt die Wachstumsgeschwindigkeit wieder bis sie komplett zum Erliegen kommt. Dabei werden die Mikrobenzellen so stark geschädigt, dass sie sich nicht mehr vermehren können und ggf. auch absterben.

In Abhängigkeit des optimalen Temperaturbereiches werden die Mikroorganismen in folgende Gruppen eingeteilt:

  Temperaturbereich in °C
  Minimum Optimum Maximum
Psychrophile (kalt) -10 bis 0 15 bis 20 20 bis 30
Mesophile (mittel) 10 bis 25 20 bis 37 35 bis 50
Thermophile (warm) 30 bis 50 50 bis 65 60 bis 95

(Quelle: MÜLLER, 1988)

Zwischen diesen Gruppen gibt es fließende Übergänge. Die Gruppe der mesophilen Mikroorganismen ist dabei am größten. In dieser Gruppe sind auch die produkttypischen und verderbanzeigenden Mikroorganismen von eingelagertem Getreide zu finden.



Feuchte

Mikrobielles Wachstum ist immer an das Vorhandensein von Wasser gebunden. Neben dem Feuchtegehalt im eigentlichen Sinne ist aber auch die Verfügbarkeit des Wassers (Wasseraktivität) entscheidend. Diese hängt neben dem reinen Wassergehalt auch von den Inhaltsstoffen ab, die Wasser binden (z.B. Zucker) können. Deshalb weichen die Angaben für die maximal – zulässige Feuchte für eine sichere Lagerung je nach Gut voneinander ab. Maß für die Wasseraktivität ist der sogenannte aw – Wert. Allgemein gilt, dass ab einem ein aw – Wert von < 0,7 das zu lagernde Gut sicher vor einem mikrobiellen Verderb ist.

Beispiele für den Wassergehalt bei einem aw – Wert von < 0,7:

Getreide< 14 % Feuchte
Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen)12 – 15 % Feuchte
Sojabohnen13 % Feuchte
Trockenfrüchte18 – 25 % Feuchte

Die einzelnen Mikroorganismen stellen unterschiedliche Ansprüche an den Feuchtegehalt und die Wasserverfügbarkeit. Allgemein gilt, dass die mikrobielle Aktivität mit dem Wassergehalt steigt bzw. umgekehrt, durch den Wasserentzug mikrobielles Wachstum verhindert wird. Dabei reagieren die Bakterien und Hefen deutlich empfindlicher als Schimmelpilze.

aw-Wert Spanne für das Wachstum der Mikroorganismengruppen:

 Spanne  typisch Untergrenze
Bakterien0,86 – 0,98 0,91 - 0,96
Hefen0,81 – 0,92 0,88 – 0,94
Schimmelpilze0,62 – 0,94 0,80 – 0,85

Die meisten Mikroorganismen wachsen bei einem aw – Wert von 0,98. Bakterien stellen die höchsten Ansprüche an den Gehalt an frei verfügbarem Wasser. Hefen können zwar schon bei niedrigeren aw-Werten wachsen als Bakterien, bevorzugen es aber immer noch relativ feucht. Beide Keimgruppen spielen deshalb beim Verderb von Getreide nur bei Kornfeuchten von > 23 % eine Rolle. Demgegenüber benötigen Schimmelpilze für ihr Wachstum deutlich weniger Wasser. Bestimmte Arten der Gattungen Penicillium, Aspergillus oder Monascus können sogar unterhalb eines aw – Wertes von 0,8 wachsen. Sie werden auch als besonders osmotolerant oder xerophil bezeichnet. Für das einzulagernde Getreide bedeutet das, dass Kornfeuchten von unter < 14 % erreicht werden sollten, um ein Wachstum dieser Schimmelpilze sicher ausschließen zu können. Das ist aber in der Praxis selten der Fall.



Sauerstoff

Aufgrund ihres unterschiedlichen Sauerstoffbedarfes werden aerobe, anaerobe und fakultativ anaerobe Mikroorganismen unterschieden. Aerobe Mikroorganismen wachsen nur in Anwesenheit von Sauerstoff, da sie diesen zur Energiegewinnung durch Atmung benötigen. Zu dieser Gruppe gehören alle Schimmelpilze. Auf anaerob wachsende Mikroorganismen wirkt Sauerstoff toxisch. Sie gewinnen ihre Energie durch Gärung. Zu dieser Gruppe gehören u.a. viele Bakterien (z.B. Clostridien). Fakultativ anaerobe Mikroorganismen (z.B. Enterobacterien) wachsen sowohl bei Anwesenheit als auch Abwesenheit von Sauerstoff. Hefen hingegen können sich sowohl aerobe als auch anaerob entwickeln. Bei Anwesenheit von Sauerstoff, also aerob, gewinnen sie ihre Energie durch Atmung. Dabei entsteht Kohlendioxid und Wasser. Fehlt jedoch Sauerstoff, also unter anaeroben Bedingungen, sind sie in der Lage, Ihren Stoffwechsel auf Gärung um zu schalten. Milchsäurebakterien stellen ebenfalls einen Sonderfall dar. Sie gewinnen ihre Energie durch Gärung (anaerob), sind aber in der Lage, geringe Mengen an Sauerstoff zu tolerieren. Sie werden deshalb auch als aerotolerant bezeichnet.

Sauerstoffansprüche von Mikroorganismen

  aerob anaerob fakultativ anaerob
Bakterien + + +
Hefen + + -
Schimmelpilze + - -

Getreide wird in der Regel aerob als lose Schüttung gelagert. Insofern kommen für einen potentiellen Verderb nur aerob wachsende Mikroorganismen in Frage. In Verbindung mit dem niedrigen Feuchtegehalt scheiden Bakterien und Hefen aus. Verdirbt Getreide, sind somit überwiegend Schimmelpilze dafür verantwortlich.



pH-Wert

Ein weiterer wichtiger Substratfaktor, der das Wachstum von Mikroorganismen beeinflusst ist der pH-Wert im Futtermittel. Auch hier gibt es zwischen Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen klare Unterschiede. Hefen und Schimmelpilze bevorzugen im Allgemeinen saure pH-Bereiche, Bakterien hingegen eher den Neutralbereich. Nur wenige sind säuretolerant, wie z.B. Milchsäurebakterien. Diese wachsen noch, wenn der pH-Wert 4,0 unterschreitet. Die meisten Bakterien reagieren außerdem sehr empfindlich auf Veränderungen im pH-Wert. Hefen und Schimmelpilze sind da deutlich unempfindlicher. Sie wachsen auch noch, wenn der pH-Wert im stark sauren Bereich liegt.

Allgemein gilt, dass die Säuretoleranz der Mikroorganismen abnimmt, wenn sich andere Substratfaktoren wie z.B. eine verminderte Wasserverfügbarkeit oder eine ungünstige Sauerstoffversorgung verschlechtern.



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